Konzerteinführung Gusto CANTATA

Julia Schwarz

Herzlich Willkommen!

Virtuoses in Württemberg, kunstvolles für die Stimme und für Instrumente, allein, wie auch in lustvoller Kombination, ist das Thema unseres CANTATA-Konzertes. Gleich Streiflichtern lassen sie den Reichtum einer Musik ahnen, zu der sich Komponisten aus Legenden und Mythen, aus dem Delirium Verliebter, oder aus ihrem Instrumentenspiel anregen ließen.

In dieser kleinen, digitalen Konzerteinführung richten wir das Augenmerk auf die Vokalwerke des Abends, die der Sopranist Samuel Mariño vortragen wird.  Sie spannen einen Bogen von Claudio Monterverdi Anfang des 17. Jahrhunderts bis zu Georg Friedrich Händel rund 100 Jahre später.

Viel Vergnügen!

Sweeter than roses
Henry Purcell (1659-1695)

„Orpheus Britannicus – Britischer Orpheus“ – dieser posthume Ehrentitel wurde Henry Purcell zuteil. Zurecht, will man meinen, wenn man „Sweeter than roses“, einen seiner bekanntesten Songs betrachtet.

„der erst mich zitternd gefrieren ließ, dann wie Feuer überschoss.“

Ebenso feinfühlige wie feurige Töne findet Purcell für das Gefühls-Feuerwerk des ersten Kusses!

Die meisten Werke, die Henry Purcell für Sologesang schrieb, waren als Einlagen auf der Bühne gedacht. „Sweeter than roses“ ist Teil der Schauspielmusik zur Tragödie „Pausanias, the Betrayer of his Country”. Der Song entstand 1695, dem letzten Lebensjahr des „Orpheus Britannicus“

Wer ist „der größeste Opern-Componist von der Welt“?

Mozart, Wagner, Puccini…?

Weit gefehlt! Zumindest – wenn man Johann Mattheson, Komponist und Chronist im 18. Jahrhundert, fragt. In seinen Augen wurde diese Ehre Reinhard Keiser zu Teil…

Benché sempre crudel
Reinhard Keiser (1674–1739)

Am Stuttgarter Hof (im Bild das Residenzschloss Ludwigsburg) leistete man sich eine hervorragend besetzte Hofkapelle. Sicherlich ein Grund für Reinhard Keiser, sich zwischen April 1719 und Sommer 1721 um den Kapellmeister-Posten zu bewerben…

Das Rennen um die Stelle machte letzten Endes Giuseppe Antonio Brescianello, dessen Oper Tisbe Il Gusto Barocco 2014 mit 300 Jahren Verspätung uraufführte (!).

Mit Keisers Kantate hat das Ensemble einen Schatz gehoben aus der Musikaliensammlung des kunstliebenden Erbprinzen Friedrich Ludwig von Württemberg-Stuttgart und seiner Tochter, der Herzogin Luise Friederike von Mecklenburg-Schwerin. Möglicherweise spielte der musikliebende Prinz den Violinpart auf der Querflöte, denn eine solche Stimme wurde eigens für ihn angefertigt..

Zu sehen sind Erbprinz Friedrich Ludwig von Württemberg-Stuttgart, seine Gattin und ihre Dienerin

Musikalien ohne Wert“

Die Herzogin erbte später die väterlichen Notenbestände. Unglücklicherweise waren sie da bereits aus der Mode geraten und entsprachen nicht mehr dem herrschenden Gusto. Und so drückte man ihnen in den Inventarlisten den Stempel „Musikalien ohne Wert“ auf.

Il Gusto Barocco ist da anderer Meinung…

Addio Roma
aus: L’incoranazione di Poppea
Claudio Monteverdi (1567–1643)

Am Nationaltheater Mannheim ist Il Gusto Barocco fester Partner im „Monteverdi“-Zyklus. 2018 stand mit „Die Krönung der Poppea“ Claudio Monteverdis letzte Oper auf dem Spielplan. Eindrücke von der Inszenierung hat das NTM hier zusammengestellt…

In der Arie Addio Roma beklagt Kaiserin Ottavia schmerzvoll ihre Verbannung durch Kaiser Nerone. Der schwebt im siebten Himmel mit seiner Geliebten Poppea, die er heiratet und krönt. Amor sollte im Wettstreit mit Glück und Tugend recht behalten…

Im Bild Monteverdis Autograph von Addio Roma. Notiert hat er lediglich zwei Stimmen: Die Gesangsstimme und den Generalbass.

Quel sguardo sdegnosetto
aus: Scherzi musicali, cioè arie, et madrigali in stil recitativo
Claudio Monteverdi

Nicht nur große Opern schrieb Monteverdi, sondern auch Kleinbesetztes für die Gesellschaften in den venezianischen Palästen. 1632 veröffentlichte er in ein Buch mit Sologesängen. Darin findet sich unter anderem das verspielt, verzierte Madrigal Quel sguardo sdegnosetto. Es besingt die gefährliche Kraft eines Blickes.

Hier können Sie reinhören in eine Aufnahme mit Nuria Rial…

Venus & Adonis
Georg Friedrich Händel (1685–1759)

Die zweite Kantate des Programms stammt von Georg Friedrich Händel. Er komponiert „Venus & Adonis“ Anfang des 18. Jahrhunderts. Es ist Händels einzige Kantate in englischer Sprache. Venus beweint den Tod von Adonis. Die Liebesgöttin hatte sich in den überirdisch schönen Jüngling verliebt. Er stirbt auf der Jagd. Peter Paul Rubens hielt die tragische Geschichte des Paars auf Leinwand fest.

(1) Peter Paul Rubens, Venus und Adonis, 1635 – Venus und der kleine Liebesbote Cupido wollen Adonis von der Jagd zurückhalten, weil sie wissen, dass Unheil droht. Rubens setzt die berühmte Szene mit leuchtenden Farben dramatisch ins Bild.

(2) Peter Paul Rubens, Der Tod des Adonis, um 1614 – Venus beweint ihren geliebten Adonis. Diese Szene fasst Georg Friedrich Händel in Musik.

Es musizieren…

Samuel Mariño (Soprano), Anaïs Chen (Violine), Chiara  Granata (Harfe), Daniele Caminiti (Laute), Jonathan Pešek (Violoncello) & Jörg Halubek (Cembalo und Orgel)