Händel/Telemann Cleofida

Georg Philipp Telemann: Triumph der Großmut und Treue, oder CLEOFIDA, Königin von Indien (1732)

nach: Georg Friedrich Händel, PORO, Re dell‘ Indie, London 1731
Librettist Christoph Gottlieb Wend und Georg Philipp Telemann, musikalischer Leiter der Hamburger Oper hinter dem Gänsemarkt, erarbeiteten eine eigenständige Version, indem sie auf die Dresdner Fassung von Pietro Metastasios Originallibretto zurückgriffen, Händels Londoner Musik übernahmen und durch neue Kompositionen ergänzten.

Seit etwa 1715 sind Bemühungen zu verfolgen, die in London herauskommenden Opern Georg Friedrich Händels auch auf dem europäischen Kontinent aufzuführen. Der Erfolg dieser Adaptionen erzeugte an Orten öffentlicher und halböffentlicher Theater wie Hamburg und Braunschweig einen Schub moderner italienischer Opernkunst, der nicht auf Werke Händels be-schränkt blieb. Die deutschen Fassungen – in der Regel zweisprachig dargeboten – hatten neben den speziellen lokalen Produktionsbedingungen auch die Erwartungen eines regional und sozial differenzierten Publikums im Blick. Das machte sie, da von Koryphäen ihres Fachs bearbeitet, in vielen Fällen zu eigenständigen Kunstwerken, und es erscheint so verlockend wie wünschenswert, diese einzigartigen Musikdramen wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu heben. Denn der historische Impuls, der von ihnen ausging, strahlte auf die gleichzeitig entstehenden originären deutschen Bühnenproduktionen aus und regte eine nachhaltige ästhetische Auseinandersetzung mit dem neuen Opernstil an.

In der heutigen Aufführungspraxis spielt die oben beschrieben „bilinguale“ Aufführungspraxis kaum eine Rolle. Zum einen verweist die offensichtlich in der Barockzeit selbstverständlich erscheinende Zweisprachigkeit auf ein komplett anderes Verständnis der Operndramaturgie; zum anderen bekommt das Werkverständnis in der Möglichkeit, Teile der Oper neu zu komponieren, eine geradezu moderne Komplexität und Offenheit. Seit Beginn der Händelfestspiele in Halle in den 1950er Jahren gibt es Experimente mit Übersetzungen, dabei wurden die Werke komplett – also Rezitative und Arien – in ein modernes Deutsch übertragen. Doch nur die Sprache auszutauschen, sie quasi unter die „italienisch“ erfundenen Noten zu legen, lief dem ästhetischen Anspruch der Barockkomponisten ganz zuwider.

Der hier vorgeschlagene Rückgriff auf die große Tradition der Händel-Rezeption in Deutschland überwindet die festgefahrene Strategie in der Wiederbelebung einer großen europäischen Kunst und bietet einen neuen und für Regie und Dramaturgie gleichermaßen anregenden Zugriff.

Informationen zur Besetzung und zum Kartenvorverkauf werden Ende Januar bekannt gegeben.

Datum

Nov 14 2020

Uhrzeit

19:00

Ort

Herne, Tage Alter Musik
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