Biografie

Jörg Halubek ist Dirigent, Cembalist und Organist. Er gründete 2008 das Barockorchester il Gusto Barocco, das er seither leitet. Zudem ist er Professor für Orgel und historische Tasteninstrumente an der Musikhochschule Stuttgart sowie Künstlerischer Leiter der Internationalen Händel-Akademie Karlsruhe. 2004 gewann er den ersten Preis für Orgel beim Internationalen Bach-Wettbewerb Leipzig.

In der Spielzeit 2025/26 dirigiert er Mozarts Zauberflöte am Theater Basel und am Nationaltheater Mannheim den Abschluss des Monteverdi-Zyklus mit L’Orfeo, Premiere im Rahmen der SWR Festspiele. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Stuttgarter Reihe Metamorphosen von il Gusto Barocco, in der er die Opernprojekte Bajazet als Opernpasticcio und Dafne in einer Fassung nach Jacopo Peri und Marco da Gagliano leitet. Darüber hinaus ist er mit dem Ensemble beim Bayreuth Baroque Opera Festival und den SWR Festspielen zu Gast. An der Stuttgarter Opernschule leitet er eine Produktion von Monteverdis L’incoronazione di Poppea mit Studierenden seines Studiengangs Maestro al Cembalo, die im Wilhelma Theater aufgeführt wird.

Die Saison 2024/25 begann mit der CD-Veröffentlichung von Johann Sigismund Kussers Oper Adonis (cpo), die Halubek und il Gusto Barocco 2022 wiederentdeckten; die Premiere fand im Rahmen des Barockfests „Winter in Schwetzingen“ des Heidelberger Theaters statt. Die FAZ lobte, man habe in Halubek „nicht nur einen Kenner Alter Musik, sondern vor allem einen Streiter für dieses Werk“ gewonnen. Sein Debüt bei den SWR Festspielen Schwetzingen gab er mit der szenischen Erstaufführung von Johann Christian Bachs Kantate Amor vincitore mit Julia Lezhneva und Maayan Licht – als Live-Video in der ARD Mediathek verfügbar – ergänzt durch eine Neukomposition von Patrick Schäfer für die verschollene Ballettmusik. In Luzern folgte nach Giustino ein Doppelabend mit Luigi Dallapiccolas Il prigioniero (Zwölftonkomposition) und Zelenkas Requiem D-Dur. Zuletzt war Halubek als Künstler in Residence bei der Bachwoche Ansbach zu erleben. Zu seinen jüngsten CD-Veröffentlichungen zählen Bachs Kunst der Fuge (Berlin Classics), instrumentiert für Zink, Posaunen, Holzbläser, Streicher und Orgel, sowie die Uraufführung von Antonia Bembos Oper L’Ercole amante (cpo) – ein bislang nie aufgeführtes Werk einer im 17. Jahrhundert in Paris wirkenden italienischen Komponistin.

Frühere Engagements als Dirigent und maestro al cembalo führten ihn an die Komische Oper Berlin, die Händel-Festspiele Halle, das Theater Basel, die Innsbrucker Festwochen sowie zu den führenden Barockorchestern wie dem Freiburger Barockorchester und La Cetra Basel. Darüber hinaus arbeitete er mit zahlreichen deutschen Opern- und Konzertorchestern zusammen, mit denen er eine historisch informierte Spielweise erarbeitete. In Mannheim leitete er mit il Gusto Barocco den bisher vierteiligen Monteverdi-Zyklus in Inszenierungen von Markus Bothe, Lorenzo Fioroni und Calixto Bieito. 2019 dirigierte er in Kiew mit Open Opera Ukraine die erste historisch informierte und inszenierte Aufführung einer Händel-Oper in der Ukraine: Acis and Galatea in der Regie von Tamara Trunova.

Als Organist ist Halubek seit seinem Erfolg beim Bach-Wettbewerb Leipzig international tätig; Konzerteinladungen führten ihn seither an zahlreiche bedeutende Orgeln in europäischen Städten sowie nach Russland, Georgien und China. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist das Projekt Bach Organ Landscapes, in dem er Bachs gesamtes Orgelwerk an historischen Orgeln der Bach-Regionen aufführt und dokumentiert. Es erscheint in einer Serie von zehn Doppel-CDs bei Berlin Classics und wird durch eine Web-Datenbank ergänzt, die im März 2026 mit der Veröffentlichung des letzten Albums abgeschlossen sein wird.

Geboren in Beckum mit erstem Unterricht bei Babette Freitag, studierte er Kirchenmusik und Orgel in Stuttgart und Freiburg bei Jon Laukvik sowie Cembalo bei Robert Hill. An der Schola Cantorum Basiliensis spezialisierte er sich bei Jesper Bøje Christensen und Andrea Marcon auf historische Aufführungspraxis